Ich will ehrlich sein: Das erste Mal, als meine Tochter beim Essen laut würgte, rot anlief und die Augen tränten, bin ich aufgesprungen. Mein Herz raste noch, als sie längst weiterkaute. Diese Angst ist der häufigste Grund, warum Eltern BLW wieder abbrechen, und ich nehme sie niemandem übel. Sie gehört zum Anfang dazu. Was mir geholfen hat, war nicht der Rat, mich zu entspannen, sondern zu verstehen, was ich da eigentlich sehe.
Würgen und Verschlucken sind zwei völlig verschiedene Dinge, auch wenn sie sich für uns gleich anfühlen. Würgen ist laut. Das Baby macht Geräusche, hustet, würgt, das Gesicht wird rot, und am Ende kommt das Stück wieder nach vorne. Genau so soll es sein: Der Würgereflex sitzt bei Babys weit vorne auf der Zunge und schiebt zu große Brocken zurück, bevor sie überhaupt gefährlich werden können. Er ist ein Schutz, kein Versagen. Mit den Monaten wandert er nach hinten und wird seltener. Echtes Verschlucken sieht anders aus, und das ist der Punkt, den ich mir eingeprägt habe: Es ist still. Keine Geräusche, kein Husten, oft ein panischer Blick. Ein Kind, das laut würgt, bekommt Luft. Ein Kind, das keinen Ton herausbringt, braucht sofort Hilfe.
Was ich daraus gemacht habe, ist wenig, aber es gilt bei uns ausnahmslos. Mein Kind sitzt beim Essen aufrecht, nie halb liegend, warum das so wichtig ist, steht in Keine Beikost in Wippe, Babyschale oder Autositz. Es isst nie allein im Raum. Harte, runde Lebensmittel wie ganze Weintrauben, Nüsse oder rohe Karottenstücke kommen nicht auf den Teller, die Liste dazu steht in Was dürfen Babys nicht essen? Und wenn es würgt, bleibe ich sitzen und greife nicht in den Mund, denn das schiebt das Stück erst recht nach hinten. Den größten Unterschied hat allerdings etwas anderes gemacht: ein Erste-Hilfe-Kurs für Säuglinge. Zwei Stunden, und die Angst war nicht weg, aber sie lähmte mich nicht mehr. Das würde ich jedem empfehlen, der mit Beikost startet. Handgriffe lernt man in einem Kurs, nicht in einem Blogartikel.