Gestern noch drei Portionen, heute nichts. Kennst du das?
Bei uns kam diese Phase im zehnten Monat, und ich habe sie schlechter weggesteckt als jedes Würgen. Man kocht, man schneidet, man deckt den Tisch, und dann wird der Teller heruntergeschoben. Nach drei Tagen habe ich angefangen zu rechnen, wie viel sie eigentlich noch zu sich nimmt. Das war der Moment, in dem ich mir selbst mehr Stress gemacht habe als nötig.
Die häufigsten Gründe
Zahnen. Ein entzündetes Zahnfleisch tut beim Kauen weh. Kühles, weiches Essen geht dann oft noch, Knuspriges gar nicht.
Wachstumsschub oder Entwicklungssprung. Wenn ein Kind gerade Krabbeln oder Laufen lernt, ist Essen nebensächlich. Das reguliert sich von allein.
Ein Infekt im Anmarsch. Häufig sinkt der Appetit ein bis zwei Tage bevor man überhaupt merkt, dass etwas im Anzug ist. Dazu habe ich Beikost bei Erkältung geschrieben.
Zu viel Milch zwischendurch. Der häufigste Grund, den niemand vermutet. Wer viel trinkt, hat keinen Hunger.
Was ich mir abgewöhnt habe
Hinterherlaufen, ablenken, den Löffel als Flugzeug fliegen lassen. All das hat bei uns die Situation verschlechtert, weil es Druck aufgebaut hat. Was hilft: das Essen anbieten, dabeibleiben, und nach zwanzig Minuten kommentarlos abräumen. Babys regulieren ihre Menge über mehrere Tage, nicht über eine Mahlzeit. Das ist schwer auszuhalten und trotzdem wahr.
Wann ich zur Ärztin gehen würde
Wenn die Essensverweigerung länger als ein paar Tage anhält, wenn dein Baby deutlich weniger nass wird, teilnahmslos wirkt oder nicht mehr zunimmt. Dann ist das kein Trotz, sondern gehört abgeklärt. In dem Fall gilt: lieber einmal zu früh anrufen.