Bücher, die begeistern.

BLW und Großeltern: Wie erkläre ich Oma und Opa, warum es keinen Brei gibt?

„Das arme Kind bekommt ja gar nichts Richtiges!“ Diesen Satz meiner Schwiegermutter höre ich heute noch, wenn ich an unseren ersten gemeinsamen Sonntagsbraten mit Beikost-Baby denke. Sie meinte es liebevoll. Trotzdem saß ich danach mit einem flauen Gefühl im Auto. Wer BLW macht, kennt diese Gespräche.

Warum Großeltern oft skeptisch reagieren

In den siebziger und achtziger Jahren galt eine ganz andere Empfehlung. Beikost startete oft schon mit vier Monaten, Brei war Standard, und ein sauber leergegessenes Gläschen war das Ziel. Wenn Oma also besorgt schaut, stellt sie nicht dich infrage. Sie gleicht ab, was sie damals selbst als richtig gelernt hat. Das zu verstehen hat mir viel Anspannung genommen.

Was in solchen Gesprächen bei mir funktioniert

Diskussionen über Studien haben bei uns nie etwas gebracht. Was hilft, ist etwas anderes: den Bezug zur eigenen Erfahrung herstellen und gleichzeitig klar bleiben.

  • Kompetenz anerkennen: „Du hast drei Kinder großgezogen, das weiß ich zu schätzen.“
  • Auf die Kinderärztin verweisen: Das nimmt die Diskussion von der persönlichen Ebene.
  • Beobachten lassen: Wer einmal sieht, wie geschickt ein Baby eine Kartoffel isst, wird meist ruhiger.
  • Aufgabe geben: Oma darf das Gemüse schnippeln und wird so Teil der Sache.

Die Sorge vor dem Verschlucken ernst nehmen

Fast immer landen wir beim selben Punkt: die Angst, dass sich das Baby verschluckt. Diese Sorge finde ich berechtigt, und ich wische sie nicht weg. Ich erkläre stattdessen den Unterschied zwischen Würgen und Verschlucken. Würgen ist ein lauter, gesunder Schutzreflex, der Essen wieder nach vorne befördert. Genau dafür ist er da. Dass Babys beim BLW anfangs häufig würgen, ist also kein Warnsignal, sondern Training.

Was ich zusätzlich anspreche: aufrechtes Sitzen, immer jemand am Tisch, keine harten runden Lebensmittel. Welche das konkret sind, steht in meinem Beitrag Was dürfen Babys nicht essen?

Wo ich freundlich, aber bestimmt bleibe

Bei manchen Dingen gibt es keinen Spielraum, und das kommuniziere ich ruhig und ohne Diskussion. Kein Honig im ersten Lebensjahr. Kein Salz im Essen. Keine Kekse zwischendurch, auch nicht „nur ein kleines Stück“. Und: gefüttert wird nicht gegen den Willen des Kindes. Ich formuliere das als Bitte, nicht als Vorwurf, aber ich wiederhole es so oft wie nötig.

Ein Buch sagt es manchmal besser als ich

Bei uns hat ein simpler Trick geholfen: Ich habe meinen Eltern einfach einen Ratgeber in die Hand gedrückt. Geschriebenes wirkt sachlicher als die Tochter, die am Mittagstisch etwas behauptet. Mein Baby-Led-Weaning-Fahrplan erklärt genau die Punkte, die Großeltern typischerweise beunruhigen.

Was sich bei uns verändert hat

Ungefähr ein halbes Jahr hat es bei uns gedauert, bis aus Skepsis Neugier wurde. Heute schneidet meine Schwiegermutter Gemüsesticks in genau der richtigen Größe, ganz ohne dass ich sie darum bitten muss. Ruhig bleiben und die Sorge dahinter ernst nehmen bringt am Ende mehr als Recht behalten zu wollen.

➡️ Alle Grundlagen zum Einstieg findest du in meinem Beitrag BLW im Detail.

Wenn Oma und Opa mit in den Urlaub fahren

Gemeinsame Reisen sind eine gute Gelegenheit, Vertrauen aufzubauen. Großeltern erleben dort über mehrere Tage, wie selbstverständlich dein Kind mitisst. Praktische Vorbereitung dafür findest du im großen Urlaubsguide sowie in meinen Beiträgen zu BLW beim Campen und zum Flug mit Babynahrung.

Bücher, die ich gern weitergebe

Neben meinem Baby-Led-Weaning-Fahrplan hat sich bei skeptischen Großeltern auch BLW mit ein bisschen Brei bewährt. Der Titel allein nimmt schon viel Druck aus der Diskussion, weil er zeigt, dass BLW kein Dogma sein muss.

Clara Beck, ausgebildete Beikostberaterin

Über die Autorin

Clara Beck ist ausgebildete Beikostberaterin, Mama von zwei Kindern und Autorin mehrerer Beikost-Ratgeber und Kochbücher. Auf Instagram begleitet sie täglich tausende Eltern beim Beikoststart und beantwortet in regelmäßigen Fragerunden die häufigsten Fragen rund um Baby-led Weaning, Beikost und Familienernährung. Ihr Ziel ist es, wissenschaftlich fundiertes Wissen verständlich und alltagstauglich zu vermitteln.

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