Honig ist eines der wenigen Lebensmittel, bei denen es keine Grauzone gibt. Kein bisschen, nicht auf dem Brot, nicht im Tee, nicht gegen Husten. Erst ab dem ersten Geburtstag. Diese Regel ist streng und sie hat einen sehr konkreten Grund.
Der Grund: Säuglingsbotulismus
Honig kann Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum enthalten. Bei älteren Kindern und Erwachsenen passiert damit nichts: Die Darmflora ist so weit entwickelt, dass die Sporen keine Chance haben, sich anzusiedeln. Bei Säuglingen ist der Darm noch nicht besiedelt genug. Die Sporen können dort auskeimen und ein Nervengift bilden.
Säuglingsbotulismus ist selten, aber ernst. Die Symptome setzen schleichend ein: Verstopfung, schwacher Schrei, Trinkschwäche, schlaffe Muskeln, hängende Augenlider. Es ist ein Fall für die Klinik, nicht für Abwarten.
Erhitzen hilft nicht
Das ist der Punkt, der am häufigsten falsch verstanden wird. Sporen sind extrem hitzestabil. Backen, Kochen, Aufkochen im Tee, all das zerstört sie nicht zuverlässig. Honig im Kuchen ist deshalb genauso tabu wie Honig auf dem Brot. Das unterscheidet Honig von rohem Ei, wo Durchgaren das Problem tatsächlich löst.
Clara’s Tipp
Ahornsirup, Agavendicksaft und Zuckerrübensirup haben das Botulismus-Problem nicht. Ein guter Honigersatz sind sie trotzdem nicht, es ist schlicht Zucker in flüssiger Form.
Wo Honig versteckt ist
- Frühstücksmüsli und Knuspergranola
- Honigkuchen, Lebkuchen, Spekulatius
- Hustensaft und Halsbonbons auf Honigbasis
- Salatdressings und Honig-Senf-Saucen
- Gegrillte Fleischgerichte mit Honigglasur
- Manche Joghurts und Quarkzubereitungen
- Schnuller, die in Honig getaucht werden, ein alter Hausmittel-Tipp, der wirklich gefährlich ist
Beim Einkaufen lohnt der Blick auf die Zutatenliste, vor allem bei allem, was süß schmeckt und für Erwachsene gedacht ist. Am Buffet auf Feiern gilt dasselbe wie sonst: Wenn ich nicht weiß, was drin ist, gibt es das nicht. Mehr dazu im Artikel über BLW auf dem Kindergeburtstag.
Mein Baby hat Honig gegessen, was jetzt?
Erst mal: Panik hilft nicht. Die allermeisten Kinder, die versehentlich etwas Honig erwischt haben, entwickeln nichts. Wichtig ist, dass du in den folgenden Tagen aufmerksam bist. Beobachte Stuhlgang, Trinkverhalten und Muskelspannung. Bei Verstopfung über mehrere Tage, auffälliger Schlappheit oder verändertem Schreien geh zum Kinderarzt und sag dazu, dass dein Baby Honig hatte. Diese Information ist für die Diagnose entscheidend.
Ab wann dann?
Ab zwölf Monaten ist der Darm so weit. Dann spricht aus Botulismus-Sicht nichts mehr gegen Honig. Aus Zuckersicht bleibt er allerdings ein Süßungsmittel, dazu habe ich im Artikel über Zucker beim Beikoststart mehr geschrieben.
Wenn dein Baby gerade erst startet und du wissen willst, ob es überhaupt bereit ist, hilft dir der Artikel zu den drei Reifezeichen. Die komplette Liste der Lebensmittel, die im ersten Jahr nicht auf den Teller gehören, steht unter was Babys nicht essen dürfen. Und wenn du nach süßen Ideen ohne Zuckerzusatz suchst, schau bei den Kiwi-Pancakes oder den Overnight Oats vorbei.