Ich erinnere mich noch genau an den Nachmittag, an dem ich zum ersten Mal Karotten für meinen großen Sohn gekocht habe. Ich hatte alles gelesen, ich wusste über Reifezeichen Bescheid, ich hatte den Hochstuhl aufgebaut. Dann lag da dieser weich gekochte Karottenwürfel auf dem Tablett und er hat ihn zwanzig Minuten lang über das Holz geschoben, ohne ihn ein einziges Mal in den Mund zu bekommen.
Ich war mir sicher, er sei noch nicht so weit, und habe zwei Wochen gewartet. Dabei lag es überhaupt nicht an ihm. Ich hatte einfach falsch geschnitten.
✓ Am Anfang greifen Babys mit der ganzen Faust, deshalb brauchen sie Stangen statt Würfel.
✓ Etwa fingerlang und zwei Finger dick, dann schaut oben genug heraus.
✓ Alles muss sich zwischen Daumen und Zeigefinger zerdrücken lassen.
✓ Rundes wie Weintrauben immer längs vierteln.
✓ Mit dem Pinzettengriff dreht sich die Regel um, dann sind kleine Stücke dran.
Warum Würfel am Anfang nicht funktionieren
Babys greifen zu Beginn mit der ganzen Hand. Die Faust schließt sich um das Essen, der Daumen liegt außen drüber. Was in der Faust verschwindet, verschwindet komplett. Ein Würfel liegt dann irgendwo in der geschlossenen Hand und kommt nicht mehr zum Mund.
Was funktioniert, sind Formen, bei denen oben etwas herausschaut. Etwa so lang wie ein Erwachsenenfinger, etwa so dick wie zwei Finger. Ein Stangenformat also. Die Faust umschließt die Mitte, oben bleibt genug übrig zum Nuckeln, Lutschen und irgendwann Abbeißen. Warum das überhaupt sicher ist und was Babys körperlich schon können, steht in meinem BLW-Ratgeber.
Als ich die Karotten das nächste Mal in Stifte geschnitten habe, hat es beim ersten Versuch geklappt. Da war nichts über Nacht gereift, ich hatte nur das Messer anders angesetzt.
Clara’s Tipp
Wenn dein Baby scheinbar nichts in den Mund bekommt, ändere zuerst die Form, nicht das Lebensmittel.
Der Weichheitstest
Die Form entscheidet darüber, ob dein Baby etwas greifen kann. Ob es sicher ist, hängt dagegen an der Konsistenz. Mein Test dauert zwei Sekunden: Ich drücke das Stück zwischen Daumen und Zeigefinger. Lässt es sich ohne Kraftaufwand zerdrücken, ist es weich genug. Muss ich fest zudrücken, koche ich weiter.
Backenzähne kommen erst im zweiten Lebensjahr. Bis dahin zerdrücken Babys ihr Essen mit Zunge und Gaumen, und alles, was diese Technik nicht schafft, gehört länger in den Topf. Zum Unterschied zwischen normalem Würgen und echtem Verschlucken habe ich einen eigenen Artikel geschrieben: Würgen oder Verschlucken beim BLW. Den würde ich vor dem ersten Essen lesen, nicht danach.
Wie ich einzelne Lebensmittel schneide
- Karotte, Pastinake, Kohlrabi: in Stifte, weich gekocht bis der Fingertest sitzt.
- Brokkoli und Blumenkohl: als ganze Röschen mit Stiel. Der Stiel ist der Griff, die Krone der essbare Teil.
- Avocado: längliche Spalten. Weil sie rutscht, wälze ich sie in feinen Haferflocken.
- Banane: längs dritteln statt in Scheiben. Scheiben rutschen aus der Faust, Längsstreifen nicht.
- Gurke und Melone: in Stifte, Schale ab.
- Weintrauben, Kirschtomaten, Oliven: immer längs vierteln. Nie ganz, nie nur halbiert. Rundes in Luftröhrengröße ist das klassische Risiko.
- Fleisch: längliche Streifen quer zur Faser, oder als weiche Frikadelle.
- Fisch: in größeren Flöckchen, penibel auf Gräten prüfen.
- Käse: gerieben statt gewürfelt, harte Würfel sind heikel. Welche Sorten gehen, steht unter welcher Käse für Babys geeignet ist.
- Ei: als Omelettstreifen oder eingebacken, immer komplett durchgegart. Warum, steht unter rohes Ei und Baby.
- Nüsse: niemals ganz, nur als Mus dünn verstrichen. Mehr dazu unter Nüsse für Babys.
- Nudeln: große Formen wie Penne oder Rigatoni sind besser greifbar als Spaghetti, zum Beispiel in meiner Pasta mit Gemüsesosse.
- Toast: in Streifen, nicht in Quadrate. Worauf ich bei Brot achte, steht unter Toast und Brot beim BLW.
➡️ Rezepte, die schon in der richtigen Form gedacht sind: die Zucchini-Pommes, die Couscous-Schnitten und der Linsen-Wrap.
Was sich ab dem Pinzettengriff ändert
Irgendwann zwischen acht und zehn Monaten ändert sich das Greifen. Statt der ganzen Faust kommen Daumen und Zeigefinger zum Einsatz. Das ist der Pinzettengriff, und er dreht die Schnittregeln um.
Ab jetzt sind die langen Stifte unhandlich. Was jetzt geht, sind kleine Stücke: Erbsen, Maiskörner, kleine Würfel, zerpflückte Nudeln. Also genau das, was am Anfang nicht funktioniert hat.
Ich habe damals noch wochenlang Stifte geschnitten, während mein Sohn längst Erbsen einzeln aufsammeln konnte. Er hat die Stifte liegen lassen und stattdessen die Krümel vom Tablett gepickt. Bis ich begriffen habe, dass er mir damit etwas sagen wollte, hat es leider gedauert.
Wo Babys essen dürfen
Die beste Schnittform hilft nichts, wenn die Position nicht stimmt. Aufrecht sitzend, Füße abgestützt, ein Erwachsener daneben. Nicht zurückgelehnt, nicht im Liegen, nicht nebenbei im Buggy. Warum das kein Detail ist, habe ich unter keine Beikost in Wippe, Babyschale oder Autositz aufgeschrieben. Unterwegs und auf Feiern wird das schnell zur Rutschbahn, dazu passt der Artikel zum Kindergeburtstag.
Was mir rückblickend geholfen hätte
Zu wissen, dass viele Beikostprobleme in Wahrheit Handhabungsprobleme sind. Ein Baby, das nichts isst, hat oft kein Problem mit dem Essen, sondern mit der Form, in der es vor ihm liegt. Und wenn es alles auf den Boden wirft, übt es meistens gerade das Loslassen.
Dass an einem Tag alles gegessen wird und am nächsten nichts, gehört ebenfalls dazu. Dazu passt der Artikel wenn dein Baby plötzlich nichts mehr isst. Und weil die Milch in dieser Phase weiterhin die Hauptrolle spielt, lohnt der Blick auf Stillen und Beikost.
Wenn du noch ganz am Anfang stehst, klären die drei Reifezeichen, ob es überhaupt losgehen kann. Weitere häufige Fragen beantworte ich in BLW im Detail, und alle Rezepte findest du gesammelt in der Rezeptsammlung ab sechs Monaten.
Meine Bücher zum Thema
Falls du das lieber gesammelt in einem Buch hättest, mit Schnittformen und Rezepten für jede Phase:
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